Der Sinn der Materie

Wie kann die geistige Weltsicht behaupten, der Mensch sei ein unbegrenztes Wesen, wenn er doch ganz offensichtlich materiellen Beschränkungen unterliegt? Man denke nur an die Erdanziehungskraft, den Alterungsprozess, die unveränderliche Architektur des Körpers und die zeitliche Abfolge von Erlebnissen.

Um diesen scheinbaren Widerspruch aufzulösen, bedarf es einer genaueren Betrachtung des Sinns der Materie. In materieller Weltsicht macht es übrigens keinen Sinn nach einem Sinn der Materie zu fragen, weil die Materie sowieso unabhängig vom Geist schon immer da war und existiert hat.

Aber in geistiger Weltsicht ist die Materie eine Schöpfung und erfüllt den Zweck, dem Geist und damit auch dem Menschen ein Feld für das Verwirklichen von Erfahrungen zu schaffen. (Hätte die Materie keinen Zweck, hätte sie nicht erschaffen zu werden brauchen.) Bei genauerer Betrachtung erfüllt die Materie mehrere Teilzwecke:

  1. Das Schaffen von festen vorgegebenen Strukturen
  2. freie Gestaltungsmöglichkeiten, um verändernd auf die Materie einzuwirken
  3. ein Feld für Ideen (festgefügte und gestaltbare). Das sind die Regeln innerhalb der Materie oder auch zwischen den Materie-Einheiten. Sie können fest vorgegeben sein (z.B. physikalische Gesetze) oder frei gestaltbar in allen Abstufungen (von Gesetzgebung bis frei erfundenen Spielregeln)

Betrachten wir das am Beispiel eines Spiels:

Um zu spielen braucht man ein Spiel, z.B. Bauklötzer oder Fußball. Hat man weder Bauklötzer noch irgendein anderes Spiel, kann man nicht spielen. Man kann sich ein Spiel erfinden, wie "Ich sehe was, was du nicht siehst". Aber auch dann hat man das Spiel in Form seiner Regeln und man braucht die Materie, um überhaupt etwas zu sehen. Ohne irgendein Spiel ist spielen ganz einfach nicht möglich.

Und so einen Zweck erfüllt auch die Materie. Sie ermöglicht das Erfahrungsfeld "Erdendasein".

Noch mal zurück zum Beispiel eines Spiels: Fußball hat den Zweck, den Spielern Erfahrungen der Kategorie "Fußball" zu ermöglichen. Die genauen Teilzwecke wären:

Kurzer Einschub für Menschen, die Spaß an abstraktem Denken haben:

Spiele als Ebene beruhen auf der darunter liegenden Ebene "Materie". Sie bauen darauf auf. Im Fußball spielen zum Beispiel physikalische Gesetze eine wichtige Rolle für die Ballbewegung.

Was in der Ebene der Materie frei gestaltbare Ideen sind - die Spielregeln - ist in der Ebene des Spiels unveränderlich festgefügt. (Trotzdem gibt es auch in der Ebene des Spiels wieder frei gestaltbare Ideen.)

Die interessante Frage lautet nun: Was ist die Ebene, auf der die Ebene der Materie beruht? Was ist die Ebene "unter" der Materie? Was ist die Ebene, für welche die Materie "das Spiel" ist?

Was in der Ebene der Materie festgefügt ist (z.B. physikalische Gesetze), wäre dort - zumindest in Teilen - variabel. Was sind auf dieser Ebene "unter der materiellen Ebene" die festgefügten Regeln?

Menschen erschaffen Spiele. Wer sind die Wesen, welche Spiele in der Dimension der materiellen Ebene erschaffen?

Ende des Einschubs.

Kommen wir nun auf die Ausgangsfrage zurück: Wie passt es zusammen, dass der Mensch ein unbegrenztes Wesen ist, wenn er doch gleichzeitig materiellen Beschränkungen unterliegt?

Entsprechend den Teilzwecken der Materie

1. fest vorgegebene Strukturen schaffen

2. freie Gestaltungsmöglichkeiten bieten

3. ein Feld für Ideen aufziehen

gibt es bezogen auf Materie 3 Schichten:

1. die festen unveränderlichen Randbedingungen des materiellen Systems

2. den Bereich der frei gestaltbaren Erfahrungen

3. den Bereich der Ideen "oberhalb" der Materie

Der letzte Punkt (3.) ist hier nur am Rande interessant: Aus dem großen Bereich der Ideen lässt sich nur ein Teil überhaupt zur Materie in Beziehung setzen bzw. verwirklichen. Man kann wild mit Ideen herumspielen, aber manche Ideen haben keine materielle Relevanz.

Der Geist auf der Ebene des Menschen ist an Schicht 1 gebunden, ohne sie verändern zu können. Das betrifft zum Beispiel die physikalischen Gesetze.

In dieser Ebene (Schicht 1) ist die Vorgehensweise des materiellen Denkens voll funktionsfähig: Die Materie wird mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden überprüft. Das geht, weil sich die Materie unabhängig vom menschlichen Geist immer wieder gleich verhält. Die Ideen dieser Ebene der Materie sind für den Menschen immer in gleicher Weise gültig. Der Mensch kann aus ihnen nicht ausbrechen. (Der Geist an sich schon, aber nicht der Geist in Gestalt des Menschen.) Diese Ideen existieren unabhängig vom Energieeinsatz und Verhalten des Menschen.

Also doch eine Begrenzung?

Nein! Denn diese Ebene ist niemals Erfahrungs-begrenzend. Kein Mensch hat ein ernsthaftes emotionales Interesse, die Erdanziehungskraft in Frage zu stellen. Sie zu überwinden schon: zum Beispiel mit einem Flugzeug oder einem Gleitschirm. Aber das ist dann eine interessante Aufgabe, die ja erst durch die Erdanziehungskraft überhaupt möglich wird. Diese Ebene ist als Randbedingung des Erdenlebens voll akzeptiert, ohne negative Gefühle auszulösen. Außerdem ist diese Ebene die Grundlage, um überhaupt diese Art von menschlicher Erfahrung hervorbringen zu können.

Um das besser zu verstehen noch mal zum Beispiel "Fußball" zurück. Kein Fußballspieler beschwert sich ernsthaft darüber, dass der Ball rund ist. Wenn man sich das Spiel mal mit einem Würfel vorstellt, ist die Kugelform auch eigentlich keine schlechte Wahl.

Die Ebene der festgefügten Randbedingungen ist nicht begrenzend. Im Gegenteil erschafft sie bestimmte Möglichkeiten überhaupt erst.

Es gibt natürlich eine Reihe von Randbedingungen aus Schicht 1, die nicht von allen Menschen voll akzeptiert sind: zum Beispiel der Alterungsprozess des Körpers. Das liegt aber zum einen daran, dass der Sinn dieser Randbedingung nicht verstanden wird und zum anderen, dass eine Vielzahl von falschen Vorstellungen diesen Prozess beschleunigen und zu einer unangenehmen Erfahrung werden lassen. Beides würde sich lösen, wenn die mit dem Altern verbundenen unangenehmen Erfahrungen wirklich durchlebt würden. Denn die falschen Vorstellungen über das Altern wiederum sind echte Begrenzungen und nicht Teil von Schicht 1.

Die wirklichen Begrenzungen treten auf der anderen Ebene auf: Schicht 2 - die Ebene der Erfahrungen.

Und genau hier aber beruhen die Begrenzungen auf einem grundlegenden Irrtum:

Das Denken, das in Schicht 1 funktioniert und berechtigt ist, wird auf Schicht 2, die Ebene der Erfahrungen, übertragen. Und dort ist der Zusammenhang genau umgekehrt.

Für Schicht 1 kann man ohne weiteres so vorgehen:

Materie => ...

Den vollständigen Text finden Sie im Buch
nächstes Kapitel: Der blinde Fleck (Begrenzende Ideen)
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