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Angst

Angst ist eine Schutzfunktion der Psyche. Begibt sich ein Mensch in eine Situation, in der eine reale Gefahr droht, werden Gefühle auf den Plan gerufen, welche den Menschen zum Verlassen der Situation bewegen sollen. Je näher der Mensch der Gefahr kommt, um so größer wird die Intensität der Gefühle. Das ist die eine Funktion.

Gleichzeitig haben die Gefühle aber auch die Aufgabe, notwendige spontane Reaktionen in der Gefahrensituation zu steuern. Dafür ist es von größter Wichtigkeit, sich den Angstgefühlen möglichst vollständig zu öffnen, auch wenn das zu einem intensivierten Empfinden der Angst führt. Diese Öffnung erhöht die Fähigkeit, intuitiv und spontan die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Die Gefühle aktivieren Teile der inneren Psyche, deren Möglichkeiten zu wirksamem und kraftvollem Handeln über die Möglichkeiten eines rein rational gesteuerten Handelns weit hinausgehen.

Insofern ist Angst eine durchaus positive Angelegenheit, da sie den Menschen schützt.

Wenn heute aber von Angst gesprochen wird, ist meist die Rede von eingebildeten Ängsten, von Ängsten also, die nicht auf realen sondern eingebildeten Gefahren beruhen.

Die Angst beeinflusst auch in diesem Fall das Verhalten, obwohl das aber eigentlich nicht notwendig wäre. Es erfolgt eine Abweichung vom natürlichen Verhalten. (Das natürliche Verhalten ist immer das Verhalten entsprechend Wünschen und Willen, wie es ohne die Angst ablaufen würde.)

Dabei gibt es zwei Fälle zu unterscheiden:

  1. Die Angst verhindert ein gewünschtes Handeln
    Beispiel: Jemand der Angst hat, anderen Menschen zu begegnen, reduziert immer mehr seine Kontakte, bis er schließlich vielleicht gar nicht mehr aus dem Haus geht.
    Diese Form der Angst schränkt die Handlungsfreiheit ein. Und diese Einschränkung nimmt immer weiter zu. Der Handlungsspielraum wird immer kleiner.
  2. Die Angst führt zu Angst-getriebener Aktivität
    Beispiel: Die Angst vor unheilbaren Krankheiten führt zu zahlreichen Verhaltensreaktionen, die eigentlich nicht nötig wären.
    Es kommt zu einem übertriebenen und unnötigen Handeln. In diesem Fall werden Intensität des Handelns und Energieeinsatz im Laufe der Zeit immer stärkere Formen annehmen. Die Angst bindet Energie, die dann für andere Zwecke nicht mehr zur Verfügung steht. Also auch hier im Grunde eine indirekte Einschränkung von Handlungsfreiheit.

Beide Formen der Angst-Reaktion sind eine Reaktion auf die Ideen hinter der Angst und treiben eine Verwirklichung der hinter der Angst stehenden Ideen voran. Das bedeutet in der Tat, dass die Angst-Reaktionen irgendwann dazu führen können, dass das Befürchtete eintritt.

Der Weg aus der Angst heraus ist hier das, was ich "sich einer Angst stellen" nenne. Es bedeutet eine schrittweise oder auch schlagartige Rückkehr zum natürlichen Verhalten.

Die Rückkehr zum natürlichen Verhalten führt zu einer verschärften Konfrontation mit der Angst, die soweit gehen kann, dass das Gefühl entsteht, das Befürchtete würde jetzt tatsächlich eintreten. Die Angst lässt die (eingebildete) Gefahrensituation verschärft ins Bewusstsein treten. Das ist ja auch die normale Funktion von Angst.

Da aber im Fall einer eingebildeten Angst keine reale Gefahr vorhanden ist, werden sich diese Angstgefühle entweder schlagartig oder schrittweise auflösen.

Ein Mensch ist dann vollkommen frei von der eingebildeten Angst.

Der Weg aus eingebildeter Angst heraus führt also über die Beibehaltung des natürlichen Verhaltens oder über die (schrittweise) Rückkehr zum natürlichen Verhalten bei gleichzeitig völliger Offenheit für die dabei auftretenden Gefühle.

Etwas komplizierter ist es mit Mischformen von eingebildeten und echten Ängsten: Eine echte Angst wird weit übertrieben und führt zu Verhaltensreaktionen, die weit über das eigentlich notwendige Maß hinausgehen.

Aber auch hier ist die Lösung die gleiche, weil die Qualität der dabei auftretenden Gefühle einem Menschen die Unterscheidung zwischen echter und eingebildeter Angst ermöglicht.

Die Ursache für das häufige Auftreten eingebildeter Ängste ist natürlich im materiellen Weltbild begründet: Bei einer Welt, die unabhängig vom eigenen Geist jederzeit alles mögliche geschehen lassen kann, sind Ängste nur verständlich und natürlich.

Der Schlüssel zu einem Angst-freien Leben ist das Wissen um die eigene Urheberschaft des Geschehens und das Wissen um die Mechanismen, mit denen sich unerwünschte Erfahrungen auflösen lassen.

nächstes Kapitel: Depression (Angst, Depression und Sucht)